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Skype Session statt Turnhalle

Von einem Tag auf den anderen von Wettkampfnorm auf 0 - das ist nicht nur sportlich eine Katastrophe, sondern auch gesundheitlich bedenklich. Bei Gerätturnerinnen ohne Halle dafür mit Kontaktsperre ist schon viel Improvisationstalent und Selbstdisziplin gefragt. Diese Situation macht weder vor dem Dorfverein noch vor den Spitzensportlern halt. Und dabei lief es für die Turnerinnen unserer Region das Jahr gerade richtig gut an:

 

Anna Carolina Wolpers, Bundeskaderathletin vom TSV Vordorf, hatte sich gerade den Traum von der 1. Bundesliga erfüllt. „Das war schon echt cool, mit den besten Turnerinnen Deutschlands in einem Wettkampf zu turnen,“ schwärmt Anna heute noch. Und statt Trainingslager der Nachwuchskader in Frankfurt ist nun das Wohnzimmer und der Garten im heimischen Platendorf zur Notturnhalle umfunktioniert. Dazu joggen mit Mama Bianca Brandt-Wolpers rundet das tägliche Sportpensum nach Trainingsplänen ab. „Auch wenn die tägliche Fahrerei nach Hannover jetzt wegfällt, ist der Tag komplett ausgefüllt. Ich bin doch mehr oder weniger im Training involviert und helfe wo ich kann. Aber die Halle und die Trainer fehlen schon gewaltig,“ beichtet Brandt-Wolpers. Die Trainer kämpfen um Sondergenehmigungen zur Hallennutzung mit wenigen Sportlern, aber bisher aussichtlos. Die Deutschen Jugendmeisterschaften sollten nicht nur für Anna ein Highlight werden. Auch Alina Schindler vom TSV Ehmen hatte sich erstmals dafür qualifiziert und sich riesig darauf gefreut. Nun ist der Termin ersatzlos gestrichen, genauso wie die Deutschen Meisterschaften. Beide Spitzensportlerinnen hoffen nun auf die zweite Jahreshälfte, wo zumindest die letzten beiden Bundesligaturniere noch fest im Terminplan stehen. So wie die Platendorferin hat es nämlich auch Alina Schindler in ein Bundesliga Team geschafft. Mit dem Turn Team Kiehn Group Lüneburg ging sie in der zweiten Bundesliga an den Start. Mutter und Trainerin im TSV Ehmen Anna Schindler hat das Heimtraining gut strukturiert:“ Ich verschicke Tipps und ganze Trainingspläne für zu Hause per Whatsapp und bekomme von den Mädels dann Videos. Also wir machen einfach das beste aus der Situation.“

 

Ähnlich läuft es auch beim TSV Vordorf, Trainerin Kim Ellmerich rettet die Lage so: „Wir machen mehrmals wöchentlich eine Skype-Session mit 45minütigen Sprungkraft- und Ausdauereinheiten.“ Zwischendurch gibt es immer wieder Instagram Challanges. Durch den Neuzugang einiger Braunschweiger Turnerinnen freuen sich die Vordorfer besonders auf die Ligawettkämpfe und die dafür schon bereitliegenden neuen Turnanzüge. Die Austragung besonders der Hinrunden im Bezirk und Land vor der Sommerpause sind allerdings fraglich.

 

Die Turnerinnen des MTV Gifhorn trauern den abgesagtem Landesturnfest nach: „Mit 15 Turnerinnen wollten wir in Oldenburg tolle Aktionen und Wettkämpfe erleben. Jetzt bleibt die Vorfreude wie die kreativen Kostüme für einen geplanten Mannschaftswettkampf bis zum nächsten Turnfest im Schrank,“ beschreibt Trainerin Daniela Rinke die Stimmung, die zusätzlich durch die geplante Schließung der Trainingshalle (Flutmulde) getrübt wird, „Es müssen Ausweichtrainingsstätten gefunden werden, was sich aufgrund der vielen Sparten des MTV und unserer besonderen Anforderung des Vorhandenseins einer Barrenvorrichtung im Boden schwierig gestaltet.“

 

So stehen aktuell über 400 Wettkampfturnerinnen in der Warteschlange mit ungewisser Dauer. Auch wenn die Wettkämpfe irgendwann wieder starten, bleibt das wieder Neuerarbeiten der turnerischen Elemente eine echte Herausforderung.

(Fotos privat)